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  Österreich – Deutschland:

Lach- & Sachgeschichten

Vor dem Spiel

Telefonat mit einem Freund, der behauptet, heute müssten wir – so bitter das ist – zu Deutschland helfen: „Die Deutschen müssen den Österreichern heute so eine Panier auflegen, dass das Wort Cordoba nie wieder erwähnt wird.“ Manchmal müsse man eben den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Ich habe so meine Zweifel, denn bei einer Niederlage heute bleibt erst recht wieder nur Cordoba...

Andererseits höre ich in einem Vorbericht des ORF: „Wenn Österreich heute gewinnt, könnten die Geister von Cordoba endlich ihre Ruhe finden und wir könnten wieder in der Gegenwart leben.“
Die österreichische Sehnsucht danach, diverse Geister der Vergangenheit endlich loszuwerden, ist bekanntlich immer groß. Warum man allerdings unbedingt einen der wenigen „guten Geister“ zur ewigen Ruhe betten will, ist mir ein Rätsel.


Der historische Rückblick auf dieses „Bruderduell“, den der ORF macht, erhellt das Problem auch nicht wirklich: „...im Deutschen Reich spielten die Österreicher und Deutschen dann nicht mehr gegeneinander, sondern zusammen – allerdings erfolglos.“


Das Spiel

Der oben erwähnte Freund stimmt mir zwar zu, dass das Spiel am ORF sicher lustiger wird, warnt mich aber vor dem Kommentator Oliver Polzer. Dieser habe bereits beim Deutschlandspiel gegen Kroatien nach dem Abspielen der deutschen Hymne gesagt, dass er davon eine Gänsehaut bekomme, um sich dann zu verbessern: von „Hymnen überhaupt“.
Und siehe da: Die deutschen und österreichischen Hymnen werden abgespielt und Polzer sagt: „Zwei Hymnen, beide auf Deutsch und eine ist schöner als die vorige.“
Ich bin mir jetzt nur nicht mehr sicher, welche die eine und welche die vorige war...

In der 40. Minute werden beide Trainer von den Schiedsrichtern auf die Tribüne geschickt – das sollte der einzige Höhepunkt des Spiels bleiben.

„Und wieder ist ein Konter der österreichischen Mannschaft durch einen am Boden liegenden deutschen Spieler unterbrochen worden“, merkt der bereits jetzt leicht verbitterte Kommentator an.

Mal eine wirklich gute Konterchance gleich nach der Pause, aber die Ösis wissen scheinbar gar nicht, was sie tun sollen, wenn sie am Ball sind. Reinmachen, möchte ich ihnen auf gut deutsch zurufen, weil die Buben müssen ja jetzt ganz ohne die Anweisungen des Trainers auskommen.

Kurz darauf endlich das Tor der Deutschen – alles andere wäre angesichts des Spiels auch völlig lächerlich. Und damit ist es gelaufen, denn die Österreicher sind (zumindest mehrheitlich und fußballerisch) keine Türken.

Oliver Polzer sieht das komischerweise anders und gibt die Parole „Kopf hoch“ aus: „Denken Sie an das Spiel von gestern, als die Türkei ein 0:2 noch aufgeholt hat. Alles ist möglich!“ Ja, und zwar mit einer ähnlich guten Chancenverteilung wie beim Lotto.

Nachdem in Minute 66 der dritte Ösi eingewechselt wird, ist klar, dass Ivica Vastic heute nicht spielen wird. D.h. den eventuellen Elfer, den sie vielleicht gerade noch herausschinden können, müssen die Buben dann selber reintun – schaffen die nicht, ehrlich gesagt. Und weil ich trotz aller Kritik doch ein mitfühlender Mensch bin, stelle ich mir das jetzt auch gar nicht bildlich und in allen demütigenden Einzelheiten vor, sicher nicht, wo denken Sie hin!

Sechseinhalb Minuten vor Schluss wird Polzer elegisch: „Wunder hat es schon viele gegeben.“ Ich kann ihm da nicht ganz folgen – sechseinhalb Minuten vor Schluss?

Nach dem Spiel

Wie erwartet eine fußballerische Scheißpartie, die nur von ihrem Hype gelebt hat.

„Leider ist es nicht ganz gelungen, Geschichte zu schreiben“, resümiert Oliver Polzer, um dann einen fast revolutionär-antinationalen Vorschlag zu machen: „Suchen Sie sich einfach eine andere der großartigen Mannschaften dieser EM aus.“ Nach all seinen Gänsehäuten und erhebenden Hymnengefühlen hätte ich mir schon einen deutlichen Hinweis auf die passende Ersatznation erwartet.


Österreich ist als schlechtestes Gastgeberland aller Zeiten ausgeschieden.

Vor dem Spiel hat der ORF mit der UEFA und den ÖBB konferiert, damit die Österreichfans nach dem Aufstieg Karten bekommen und gratis nach Basel fahren können. War alles schon geritzt.

Herbert Prohaska ist sauer. Er weist deutlich und unösterreichisch auf die Fehler und Schwächen des Teams hin. Danke.






online seit 17.06.2008 11:37:18
autorIn und feedback : Sylvia Köchl




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