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MALMOEs EM-Tabellenführung Spiel 11: Spermien-Konkurrenz und Spiel 12: Die Wahrheit über Österreich Spiel 11: Spermien-Konkurrenz Tabellenführerin: Sylvia Köchl Aufwärmen: Die Fahrt nachhause dauert heute doppelt so lang, da einige Fangruppen partout nicht dem Leitsystem am Westbahnhof gehorchen und statt der U3 die U6 nehmen. Trotzdem nette Stimmung: „sie“ lernen, wie man den Türbereich freihält und „wir“ üben uns in wohlwollender Geduld. Spiel: Kroatien – Deutschland in Klagenfurt Sender: ARTE – will heißen, ich hab das Spiel verweigert. Stimmung: Und obwohl ich zitternd vor Angst öfter hin- und herzappe und daher weiß, dass Kroatien führt, kann ich nicht zuschauen. Während ich also auf ARTE über die so genannte Spermien-Konkurrenz aufgeklärt werde (eigentlich ein richtig guter Witz in Zeiten einer Fußball-EM, den ich aber vor Aufregung erst jetzt beim Schreiben kapiere), läuft anderswo ein Spiel, das ich im Nachhinein natürlich gern gesehen hätte. Für ähnlich Nervenschwache: Eurosport wiederholt die Spiele. Ergebnis: 2:1 Nachspiel: „Die Frage des Tages: Wo tanken die Kroaten, dass sie sich einen zweistündigen Autokorso leisten können?“ (Titanic Online-Newsticker) Spiel 12: Die Wahrheit über Österreich Tabellenführerin: Sylvia Köchl Aufwärmen: Schon in der Früh am Weg in die Arbeit habe ich mal die Fahnen an Häusern und Autos statistisch erfasst und kann folgendes Ergebnis präsentierten: 32 x Österreich; 2 x Türkei; je 1 x Kroatien, Portugal, Deutschland, Italien (große Fahne hängt aus einem Fenster über einem Eissalon) und Free Tibet; 3 x Kroatien-Österreich; 2 x Türkei-Österreich; je 1 x Schweden-Deutschland und Deutschland-Österreich; 6 x alle Fahnen an Lokalen. Spiel: Österreich – Polen in Wien Sender: ZDF Verpflegung: karg Persönlicher Favorit: Polen (aus rein historischen Gründen) Tipp: 2:2 Pause: Über die österreichische Fußballwelt sinniert... In der Früh hab ich die Unterhaltung zweier Männer aufgeschnappt, die in einem Straßencafé saßen und sich ein erstes (?) Bierchen genehmigten. Sagt der eine: „Wenn’s punkten und a Goal schiaßen...“ – viel wird „ihnen“ also nicht mehr abverlangt. Kabinenpredigt: Wüsste nicht, was das bei den Österreichern noch bringen sollte. Schönster Mann am Platz: einmal mehr Ivica Vastic Bester Mann am Platz: Artur Boruc, polnischer Goalie Schlechtester Mann am Platz: Alle österreichischen Spieler, die gerade nicht am Ball sind und mehr oder weniger reglos darauf warten, dass ihnen selbiger vor die Füße fällt – und das ist kein körperliches, sondern ein rein geistiges Problem. Nervigster Mann am Platz: Josef Hickersberger, der so tut, als wüsste er, was er tut Schönste Szene: Das Abseitstor der Polen – es sei v.a. dem Schützen Guerrero gegönnt, dessen Einbürgerung sogar auf den Widerstand von Teamkollegn stieß. Bitterste Szene: das Tor der Österreicher – obwohl es Vastic auch gegönnt sei (abgesehen davon, dass kein anderer Spieler fähig gewesen wäre, den Elfer reinzutun) Lustigste Szene: keine, außer vielleicht der Erkenntnis, dass Ersatzgoalie Alex Manninger auch dann rote Bauernbubbäckchen hat, wenn er nur auf der Bank sitzt – ich dachte immer, das käme von der Anstrengung... Männlichste Szene: jetzt aber wirklich gestrichen Stimmung: Nach all dem monatelangen Gerede und Gequatsche bin ich zum 2. Mal fassungslos darüber, was für Hundskicker die Österreicher sind. Und darüber, was für ein kindliches Gemüt man haben muss, um an Wunder zu glauben, egal, an welche. Randnotiz: Zwei Jungmänner, die vom Scheitel bis zum Gürtel rotweißrot bemalt sind und die mir bereits am Westbahnhof begegnet sind, tauchen am Bildschirm wieder auf. Es ist eh wie Fasching: Ansonsten brave, dumme und angepasst Jungens dürfen einmal im Jahr die Sau rauslassen. Dass dieser Fußballfasching für die Österreicher in Kürze wieder vorbei ist, dafür bin ich unseren miesen Kickern schon dankbar. Bummerl: den österreichischen Fans im Stadion, die – echte Fußballfans der Klubs imitierend – den Gegner auspfeifen und dessen Fehler beklatschen; benimmt sich so ein Gastgeber? Zuckerl: A propos Polen: Jene polnische Zeitung, die vor dem Spiel gegen Deutschland den polnischen Trainer mit abgeschlagenen deutschen Köpfen titelte, gehört ebenso wie die deutsche „Bild“ dem Axel Springer Verlag. Zitat: Vor dem Spiel beim Billa. Ein Mann im Österreichleiberl kommt an die Kassa. Die Kassierin: „Was hast’n da an?“ Der Kunde: „I bin für den Sieg heute angezogen.“ Die Kassierin milde lächelnd: „Bist a Optimist.“ Ergebnis: 1:1 Nachspiel: „Mit einer besonderen Prämie will eine österreichische Brauerei die eigene Nationalmannschaft zum Toreschiessen animieren. Das Unternehmen gab vor dem zweiten EM-Gruppenspiel gegen Polen bekannt, dass jeder Torschütze für Österreich lebenslang von dem Unternehmen Freibier erhält.“ (Bericht einer Schweizer Zeitung) E-Mail: Sehr geehrter Herr ÖFB-Präsident Stickler! Sie plauderten ja kürzlich aus dem Nähkästchen. Die Idee, sich für die EM 2008 zu bewerben, sei entstanden, als Österreich in der EU nach der Bildung der schwarzblauen Regierung so schlecht dagestanden sei. Da habe man etwas tun müssen. Ihr Engagement für das Ansehen der Republik in allen Ehren – aber Fußball?!? In Österreich?!? Was haben Sie sich denn dabei gedacht? Ratlos, Ihre Sylvia Köchl Versendet an: office@oefb.at online seit 14.06.2008 21:01:33 autorIn und feedback : alltag |
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