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Widerständig Schreiben im Alltag Intervenieren gegen diskriminierende Beschmierungen mit Kugelschreiber, Lippenstift und semipermanenter Farbe Wir sind mit einer Vielzahl von handgeschriebenen Botschaften im Alltag konfrontiert, teilweise sind diese eigenmächtig angebracht. Meist stehen diese Botschaften ganz offen im öffentlichen Nahverkehr, auf Parkbänken, Hauswänden, Fassaden, Türen und öffentlichen Toiletten. Ich stimme ZARA zu, wenn sie von einem überproportionalen Anteil an rassistischen und antisemitischen Slogans in Wien berichten. Rassistische Zuweisungen mit einer dementsprechenden Aufforderung sind an der Tagesordnung und Teil unseres Alltags. Die Wahrnehmung der erheblichen Anzahl sexistischer und homophober Sprüche, bzw. dass sie in einem Mainstreamdiskurs als diskriminierend wahrgenommen werden, scheint aber gering zu sein. Wenn Beschmierungen gegen ein Verbotsgesetz verstoßen wie Verhetzung, Hakenkreuz etc. kann Anzeige erstatten werden. Alle anderen diskriminierenden Beschmierungen werden lediglich als Sachbeschädigung geahndet, und damit mit Graffiti und Streetart sehr problematisch in eine Ecke geschoben. So wird der Inhalt dem öffentlichen Diskurs und der gesellschaftlichen Verantwortung entzogen. Der Staat entzieht sich nicht nur der Verantwortung, Diskriminierungen werden aktiv von staatlicher Seite gefördert. Strukturelles Verhindern von antidiskriminatorischer Öffentlichkeit mit Folge. Selbstübermalen, Bekleben und Streichen sind selbst eine Straftat, werden als Sachbeschädigung gewertet und somit kriminalisiert. HauseigentümerInnen von Firmen und Wohnhäusern zeigen sich besonders unwillig, dementsprechende diskriminierende Slogans zu entfernen. Beobachten, Dokumentieren und Beschwerde Einreichen können ein Mittel sein, gegen diese Flut an Slogans vorzugehen. Lästig sein. Wirkungsvoll scheint mir das vollständige Übermalen dieser Sprüche nicht. Eine Gegenstrategie wäre das Streichen, Verändern oder eben nur teilweise Übermalen oder Kleben der diskriminierenden Beschmierungen bzw. nur das Kennzeichnen, dass ich es nicht zulasse, diese unkommentiert im öffentlich zugänglichen Raum stehen zu lassen. Eine Toilettentüre wurde mit dem Spruch zum Glück bin ich kein schwuler Student! beschmiert. Was tun wenn ich diese Tür nicht weiter beschreiben möchte? Mit dem Gedanken, dass dies ein Ort ist auf dem viele ihre Privatsphäre suchen und dieser dazu ausgenutzt wird, sich so auf der Tür mit einem diskriminierenden Spruch zu verewigen, zerstöre ich dieses intime Raumgefühl, indem ich das Türblatt aus den Angeln hebe. Auch wenn der nächste Benutzer nicht direkt für den Spruch verantwortlich ist, muss er sich zwangsweise mit einer nicht mehr ganz so separaten Toilette auseinandersetzen. Dies scheint mir eine individuelle Lösung zu sein; ich plädiere nicht dafür, Frei/Schutzräume zu deinstallieren. Es gibt sicher kein Allgemeinrezept, wie problematische Beschmierungen gezielt angegriffen werden können. Wenn sich rassistische Slogans, eigentlich seit ich mich erinnern kann, normalisiert haben und sich in einen allgemeinen Diskurs längst eingeschrieben haben? Eine brauchbare Intervention wäre beispielsweise, bei jedem *daham statt Islam* Plakat einen Anruf bei der Stadt Wien zu tätigen und sie zu Hunderten darauf hinzuweisen, dass sie die Pflicht haben, diese diffamierenden Slogans zu entfernen. Daneben können Taktiken à la Kommunikationsguerilla ein Mittel sein. Das Auseinandersetzen mit der eigenen Ignoranz im Alltag sollte ein Hauptanliegen sein bei der Bekämpfung von rassistischen, sexistischen, homophoben und anderweitig diskriminierenden schriftlichen Botschaften im öffentlich zugänglichen Raum. Und. Ein Kugelschreiber kann im Alltag eine gute Waffe sein. Semipermanente Farbe eine bessere. Mit einem Lippenstift den daham-Slogan mit *mein Lippenstift ist wichtiger als Österreich* zu crossen geht straffrei aus und kostet mich nur einen Augenblick und ein bisschen Make Up. online seit 28.03.2008 15:55:44 (Printausgabe 40) autorIn und feedback : Paul DeFlorian Links zum Artikel:
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