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In Script

Softcoverkrimi




Eigenartig, sagt die junge Frau. So, wie sie sich dabei durchs Haar fährt, würde es in jedem Softcoverkrimi als „gedankenverloren“ bezeichnet werden. Sprachliche Konvention, vielleicht, oder auch: ein unausgesprochenes Regelwerk. Wobei die Autorinnen und Autoren nicht gleich die Hauptschuldigen sind, Softcoverkrimis sind oftmals Übersetzungen, das Krimigenre ist ja ein nicht nur boomendes, sondern wahrlich internationales Gewerbe. Und wer weiß schon, welche normierende Rolle die Übersetzer und Übersetzerinnen dabei einnehmen. Aber schon eigenartig. Sagt die junge Frau.

Mord ist politisch

Letztens, in dem Shanghaier Softcoverkrimi, hat ein Polizist die undankbare Rolle übernommen, einen scheinbar politischen Mord ins Private zu ziehen. Also: zu lösen. Das Private ist bekanntlich politisch, aber eigenartig, meint die junge Frau, und fährt sich gedankenverloren durchs Haar, dass in Softcoverkrimis das scheinbar Politische dann oftmals sich als recht privat herausstellt. Der Skandal, der ist dann meist kein Skandal, sondern: das Motiv für den Mord war trivial. Privat. Das sieht man doch recht häufig in Softcoverkrimis, oder? Und da müsste man sich schon einmal überlegen, so fährt die junge Frau („resolut“) fort, ob das nicht ein Grund für den Boom der Softcoverkrimis ist. Und ob diese Eigenart nicht sogar, nunja, vielleicht problematisch ist.

Der Softcoverkrimi ist am Markt mittlerweile so etabliert, dass es für sie, als junge Schriftstellerin, kaum noch einen andern Weg gibt als Krimis zu schreiben, um davon leben zu können. Daneben Erzählungen und Romane und Gedichte, aber als Broterwerb: Krimis. Die dann, hoffentlich, in die Kategorie der Softcoverkrimis aufgenommen werden. Wenigstens einer. Wobei, eine Reihe wäre schon ganz gut, längerfristig. Rund um eine Krimiheldin, zum Beispiel. Es muss ja nicht gleich, wie bei dem schwedischen Starkrimiautor (samt Pseudonym), ein ganzes Team sein. Oder, wie bei der französischen Autorin, eine wechselnde Konstellation von verschiedenen, lose zusammenhängenden Charakteren. Reizvoll ist das schon, aber wenn es nicht klappt, dann kommt eine Art „Drei ???“ dabei raus, sagt die junge Schriftstellerin. Und verdreht dabei die Augen. Ist auch vielleicht ein strenger Vergleich.

Softcoverkrimis sind heute das ökonomische Gütekriterium im Sektor der Schriftstellerei. Sehr beliebt. Aber deshalb noch kein nicht ganz einfacher Weg, sagt die junge Schriftstellerin, und verdreht nochmals die Augen. Diesmal vielleicht, um sich das Seufzen zu ersparen. Und dann fährt sie sich wieder, gedankenverloren, durchs Haar. Schwierig nämlich ist die Charakterentwicklung. Und der Charakter muss dann auch noch länger halten. Was nicht immer klappt. So wie das mit dem Idiom auch nicht immer klappt. Schon nett zum Beispiel dieser Wiener Krimiautor, der es auch zum Softcover geschafft hat. Aber bei seinem dritten Krimi hat man dann schon gemerkt, dass der Charakter nimmer trägt. Und das Wienerische nicht mehr charmant ist, sondern eher gequält.

Der Sessel und die Sozialwissenschaft

Wobei, den Streit mit ihrem Verlag um „Sessel“ und „Stuhl“ hätte sie sich damals gern erspart. Weil „Sessel“, das versteht in Deutschland wieder keiner, so der Lektor. Aber wie kann sie einen Text schreiben, wo sich jemand in Wien in einen „Stuhl“ fallen lässt? Schwierig, sagt die junge Schriftstellerin. Und lächelt. Schwierig, die Glaubwürdigkeit des entwickelten Stoffes innerhalb der gegebenen Anforderungen umzusetzen. Spielen kann man mit den Anforderungen nicht, oder erst, wenn man etabliert ist. Nicht so schwierig ist das mit dem Plot. Da ist der Krimi vielleicht ein ganz dankbares Genre, wiederum. Weil ein Mord ist einfach gestrickt. Und dann lassen sich recht einfach gesellschaftliche Beobachtungen dazu packen. Das lesen die Leut gern. Der Krimi, und vor allem der Softcoverkrimi, tragen ihren Teil zur Versozialwissenschaftlichung bei. Na gut, sagt die junge Schriftstellerin, aber sind wir Schriftstellerinnen denn Sozialwissenschaftlerinnen? Und fährt sich dabei noch einmal durchs Haar. Diesmal nachdenklich.



online seit 05.07.2007 15:28:04 (Printausgabe 37)
autorIn und feedback : Thomas König




Was wurde eigentlich aus...?

Ein Update zu MALMOE-Themen in früheren Ausgaben. Folge 11: Homo-Ehe
[01.07.2010]


Was würdest du...

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[21.06.2010,Elfie Resch]


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[09.06.2010,Elfie Resch]


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