![]() |
| |
|
|
||||||
| |
||||||||
|
Wärme im Wohnbau Veränderte Prioritäten Unlängst thematisierte Harald Schmidt in seiner Show anhand eines Modellhäuschens den Trend zum Passivhaus. Bei minimalem Energieverbrauch soll es optimal warm sein: Also schlug Schmidt vor, zunächst das Dach zu entfernen, damit Sonne ran kann. Also weg mit dem Dach. Da es nun aber im Haus oben ohne zu kalt wird, verpackte er das Modell in Alufolie, klebte die Fenster zu und band dem Haus einen Schal um. Dass man nun den Garten nicht mehr sah, löste Schmidt durch Echtzeit-Übertragung ins Schlafzimmer: also schwupps eine Kamera in den Modellgarten und den Flachbildschirm vors Bett! Ein Haus ganz ohne Öffnungen: Das bringt einen Aspekt des Themas auf den Punkt: Wenn Wärmedämmung zum wichtigsten Kriterium im Wohnbau wird, dann wäre es am besten, gar keine Fenster und Öffnungen mehr zu bauen; konsequenterweise also Nullenergieverbrauch statt Aussicht, Sonne und Luft. Wohnbau heißt heute in innovativem Jargon: Ökohaus, Passivhaus oder gleich Nullenergiehaus. Nach dem Funktionalismus der Moderne, der Räume auf Effizienz hin bemessen, sowie Funktionen und BewohnerInnen optimal zuordnen wollte, nimmt nun ein neuer Funktionalismus Form an: Statt Flächenoptimierung geht es um Optimierung von Wärmedämmkoeffizienten. Nach tayloristischer Wissenschaft kommt also jetzt die Wissenschaft der Gebäudethermographie: Es scheint, als solle Wohnbau das Kyoto-Protokoll retten. ÖkologInnen kritisieren die Einführung von Ökopunkten für den Wohnbau, weil sie – wie durch Schmidt allzu klar gezeigt – eindimensional gedacht sind: So werden – trotz Knappheit der Mittel – nach wie vor Einfamilienhäuser gefördert, solange sie dem Ökopunktsystem gemäß gedämmt sind. Die Reduktion von Wärmeaustausch steht aber in keiner Relation zu Zersiedelung, überdimensionalen Erschließungsmaßnahmen und Verkehrsbelastung durch den Typus Einfamilienhaus. Ähnlich unterkomplex agiert die Wohnbauforschung: In der Steiermark etwa geht ein großer Teil des Forschungsbudgets dafür drauf, möglichst viele bestehende Wohngebäude auf thermische Undichtheiten zu prüfen. Die „Ergebnisse“, viele bunte Bilder, zeigen genau auf, wo es „Kältebrücken“ zwischen Außen- und Innenraum gibt. Förderungen erhält, wer diese messbaren Fehler der Architektur thermisch saniert - nach den Richtlinien, die im Sinne „umweltfreundlichen Bauens“ Wärmedämmkoeffizienten und Ökopunkte definieren. Architektur (die selbst schon zumindest drei-dimensional ist) kann in mehr als nur einer Dimension Umweltverschmutzung sein: Schlechte Planungen von Räumen, die Alltage mit gestalten, sind oft nicht adaptiv und können sich nicht mit BewohnerInnen mit verändern. Während also Ökopunkte technisch-planerische Entwicklungen stimulieren, gibt es kaum Forschungen zu gesellschaftlichen Veränderungen und der Art, wie Leute gerne wohnen würden oder wie sie es sich leisten können. Sozialer Wohnbau orientiert sich immer noch am Idealmodell „Kleinfamilie“ und 2 bis 3-Zimmer-Wohnung. Trotz neuer Patchwork-Konstellationen, trotz Prekarität und Armut, alternder Bevölkerung oder Verschmelzung von Wohnen und Arbeiten fördert der Staat kaum die Auseinandersetzung mit sozialen Kritierien und Veränderungen im Wohnbau. Und weil es ohnehin am leichtesten ist, messbare physikalische Bedingungen aufzuerlegen, wird endlos der Wärmedämmschutzwert geprüft. Dass ein Wohnraum thermisch saniert werden „muss“, ist eben nachzuweisen; dass ein Grundriss nicht für geänderte Familien- oder Einkommensverhältnisse adaptiert werden kann, schon nicht mehr so leicht. Schwierig, aber umfassend „nachhaltiger“ wäre es also, neben energiesparenden auch raumplanerische, soziologische und architektonische Qualitätsstandards zu fordern. Was wären diese? Wer definiert sie? Das klingt jetzt so, als gäbe es noch keine Ideen. Jedoch: In Architekturbüros, an Hochschulen, in Häusern der Architektur (z.B. HDA Graz) arbeiten viele ArchitektInnen zu den neuen Anforderungen ans Wohnen. Wo es hapert, ist die Umsetzungsmöglichkeit: Baunormen und fixierte Standardmaßeinheiten betonieren nach wie vor massenhafte Regelgrundrisse für potenzielle BewohnerInnen, die aber gar nicht mehr standardisiert sind (was gut ist). Kurz angedeutet: Prozesse der Auseinandersetzung um Wohnen an sich – und zwar zwischen allen Beteiligten –, Wettbewerbe, begleitetes Bauen (auch partizipatives Planen), v.a. die Evaluierung von Baunormen wie auch von Gebautem, das wären Schritte in eine mehrdimensionale Nachhaltigkeit von Wohnraum. Dann wäre viel über „Prototypen“,„Spezialthemen“ und „Experimente“ zu diskutieren – und selbstverständlich immer auch noch über Wärmedämmung. online seit 25.06.2007 11:08:01 (Printausgabe 37) autorIn und feedback : Gabu Heindl Links zum Artikel:
|
|
Linz in Kisten Kulturprojekte und Vergangenheit [28.11.2008,Katharina Morawek] Kulturstadt Flavour Linz wird Europäische Kulturhauptstadt 2009. Wie es soweit kommen konnte? Bitte weiterlesen. [24.10.2008,Franziska Dobuševa] MALMOE #43 sticht in See Aktuelle Nummer und stürmischer Party-Hinweis! [07.10.2008] die nächsten 3 Einträge ... |
||||||
![]() |