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  Queer Beograd

„Jede hat das Recht und die Freiheit sich auszuleben und aufzuführen so lange niemand verletzt wird!“- Queer Beograd Festival Bericht 27.10. in Wien

Über Serbien als isolierte Nachkriegsgesellschaft wird oft als Hinterhof der Europäischen Union gesprochen, wo Nationalismus, patriarchale Strukturen, Religion, Fanatismus und konservative Werte die Politik sowie das Alltagsleben dominieren. Das Massaker, von homophoben Massen 2001 an eine Gruppe von Leuten verübt, die versucht haben einen Lesben-, Schwulen-, Bi-, Transgender- Pride Marsch in Belgrad zu veranstalten, ist symptomatisch für die brutale Durchsetzung von obligatorischer Heterosexualität - eng verbunden mit stereotypen Geschlechterrollen, Machismus und Nationalismus.

Ein zweiter Versuch im Jahr 2004 die Queer Community und Politik in Belgrads Strassen sichtbar zu machen, musste abgesagt werden, da man die Sicherheit der TeilnehmerInnen nicht garantieren konnte.

So hatten wir die Idee für ein neues Konzept, welches unserem Bedürfnis entgegenkam, sich nicht nur mit Problemen wie Hass-Attacken herumschlagen zu müssen. Stattdessen wollten wir einen sicheren Ort schaffen, an dem sich queere Leute versammeln können, um über Politik und queeres Verständnis des sozialen und politischen Lebens zu diskutieren. Das bedeutet Themen wie Geschlecht, Sexualität und die Politik des Begehrens nicht nur als Zusatz zu anderen progressiven politischen Kämpfen, wie zum Beispiel Klassenkämpfe oder antirassistische Kämpfe, zu sehen, sondern in die Richtung einer selbstdefinierten, horizontalen und interaktiven Kommunikation und politischer Aktion hinzuarbeiten.

Mit diesem Verständnis werden sexuelle Orientierung oder Geschlechterrollen nicht als vorgefertigte Identitäten gesehen, die ja auch benutzt werden um Leute ein- oder auszuschließen. Stattdessen sollte das Bedürfnis nach persönlichem Austausch und unterstützender Ermächtigung in Bezug auf Alltagserfahrungen der Diskriminierung und Unterdrückung im Vordergrund stehen. Die Idee ist es nicht, sich an kapitalistische, liberale Mainstream-Politik und Life-Style anzupassen, sondern unseren Protest, unsere Kontakte, Treffen und Räume queer zu machen und zu gestalten, sie zum Beispiel zu öffnen, für alle möglichen flexiblen Identitäten, die sich herausbilden. Von diesem Ausgangspunkt wollen wir eine Politik konstruieren, welche Themen wie Rassismus, Globalisierung, Ökologie, etc weiterdiskutiert.

Das Queer Belgrad Kollektiv entschied sich dafür, in der Form eines Festivals verschiedene Strategien zu nutzen und einen offenen Raum für Austausch zu schaffen. Bis heute hat Queer Belgrad zwei Festivals iorganisiert: “Encounters” im Mai und “Party&Politics” im Dezember. Im Oktober 2006 findet die 3. Ausgabe des Festivals in Belgrad statt.

Das Festival liefert als Werkzeug einen freien, sicheren und queeren Raum, in dem sich Leute versammeln und sozialisieren können, sowie die Themen diskutieren, die sie betreffen. Es bietet eine Atmosphäre, welche Queerness zelebriert und feiert, innerhalb einer Gesellschaft, wo dies nicht nur als nicht akzeptabel gilt, sondern vielmehr gefährlich sein kann. Das Festival bietet eine Vielfalt an kulturellen und politischen Events, welche verschiedene Bilder und Ideen des Queer Seins vermitteln. Indem wir das Festival abhalten und uns weigern, uns von der Angst gegen homophobe Überfälle oder Vorurteile einschüchtern zu lassen, liefern wir eine konkrete Methode für das Empowerment queerer Personen im Balkan. In diesem Kontext heißt „queer sein“, sich nicht sozialen Regeln zu unterwerfen und stattdessen die angenommenen Normen der patriarchalen Tradition konstant zu hinterfragen. Es geht darum, einen Raum zu schaffen - jenseits der strengen Schubladisierung -, welcher jeder und jedem das Privileg der Selbstdefinition erlaubt und so eine radikale Politik zu entwickeln, die diesen Zusammenhang aller Formen der Unterdrückung erkennt und thematisiert.

Übersetzung: Eva Egermann /Nachdruck aus Prologue 2

Info: Das 3. Queer Beograd Festival fand unter dem Titel "Kvar – Die Fehlfunktion" vom 12. – 15. Oktober in Belgrad statt.

Zorica Zoe Gudovic ist queere Feministin aus Belgrad, studiert Kunst Management an der Kunstakademie in Belgrad und ist involviert in die feministische Organisation «Women at work», Mitbegründerin von der Theatergruppe Act Women und eine der GründerInnen von Queer Belgrade.



Queer Belgrade
Video, Vortrag und Diskussion mit Zoe Gudovic


Freitag, 27.10.2006, 20.00 Uhr
galerie aRtmosphere

15., Holochergasse 32/Top I,
Eingang Plunkerg./U3 Johnstr./Ausgang Wasserwelt
Veranstaltung in englisch



online seit 12.10.2006 12:48:48 (Printausgabe 34)
autorIn und feedback : Zorica Zoe Gudovic


Links zum Artikel:
www.queerbeograd.org
www.malmoe.org/artikel/top/1263Malmoe-Schwerpunkt "Let's get queer"



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