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  alltagsmonolog
His Master’s Voice?


Es ist über 30 Monate her, dass Natobombardements gegen serbische und montenegrische Städte begonnen haben. Vor einem Jahr stürzte Slobodan Milosevic. Der Alltagsmonolog eines Journalisten vom Belgrader TV-Sender B-92, aufgenommen im Herbst 2001.

„Es wird mir manchmal zu langweilig, über die Situation nach dem 5. Oktober (2000) zu erzählen, als sich die örtlichen Medien von Milosevic’s Druck befreiten. Obwohl wir derzeit immer noch staatlicher Kontrolle ausgesetzt sind.Zu Zeiten, als Milosevic an der Macht war, konnten wir zwischen einigen hundert unabhängigen Zeitungen, Fernseh- und Radiostationen wählen.

Die so genannten ,unabhängigen Medien‘, die nicht unter dem Einfluss des Regimes standen, standen aber unter Kontrolle von amerikanischen Geheimdiensten. Möglicherweise nicht direkt unter Kontrolle der CIA, aber von ähnlichen Nachrichtendiensten. Radio B-92 etwa ist direkt durch ,Voice of America‘, und ,Radio Free Europe‘ unterstützt worden. Sie produzierten ein subversives Radioprogramm, solange Slobodan Milosevic in Serbien an der Macht war. Seitdem jedoch die neue Regierung an der Macht ist, hört man von dieser Seite nichts Kritisches mehr gegen die Regierung selbst oder gegen einzelne Mitglieder der Regierung.

Die nationalen Medien starteten nach dem 5. Oktober ohne jedes kritische Potenzial, obwohl sie sich strukturell veränderten. Dabei wurden aber lediglich die Führungen der staatsnahen Radio- und Fernsehstationen ausgetauscht. Die sendeten in der Zeit vor dem 5. Oktober, also zu Milosevic’ Zeiten, geradezu abenteuerliche und falsche Informationen. Sie berichteten uns nur, wie die Realität in ihrem Sinne aussehen sollte.

Jetzt agieren sie ein wenig realistischer. Man bemerkt dennoch eine angewandte Autozensur. Sie wollen die aktuelle Regierung nicht kritisieren. Entsprechend gibt es in Serbien immer noch keine objektiven Informationen von nationalen Medien, und das wird sich vermutlich auch nicht so bald ändern.
Kleine Radio- und Fernsehstationen und Zeitschriften können derzeit zwar überleben, aber sie können keine politische Arbeit leisten oder politische Inhalte transportieren. So genannte ,unabhängige‘ Medien existieren nicht ohne Unterstützung von interessierter Seite. Damit sind sie dann aber nicht länger unabhängig. In Wirklichkeit existiert hierzulande die Idee von Unabhängigkeit in einem politischen Sinne nicht wirklich. Ich denke deshalb auch nicht, dass es bald mehr Platz für wirklich unabhängige Medien geben wird.

Medien, die früher versuchten unabhängig zu sein, wie B92 (Radio) oder B2-92 (TV), müssen einer bestimmten politischen Meinung folgen und weichen dabei nicht wesentlich von der ,offiziellen Meinung‘ ab. Deshalb unterscheiden sie sich nicht wirklich von den anderen – öffentlichen, staatsnahen – Medien. Sie erhalten vermutlich Anweisungen von derselben Stelle. Sie sind ein Teil der Infrastruktur, die in Wirklichkeit die derzeitige Regierung an die Macht gebracht hat.

Das ist nicht irgendeine Verschwörungstheorie – keine Verschwörung gegen Serbien, aber so etwas Ähnliches. Ich frage mich heute vor allem, wem das Ganze genutzt haben soll.“


online seit 15.01.2002 00:00:00 (Printausgabe 2/2001)
autorIn und feedback : Aufgezeichet und übersetzt von
Eva Eggermann




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