![]() |
| |
|
|
||||
| |
||||||
|
Inskript Wider die Hochkunst Was ist eigentlich der Skandal: Der Diebstahl eines goldenen Salzfasses aus dem Tempel der „Hochkunst“ oder die Umstände des Pompös-Lächerlichen Getues darum (Inklusive ihrer Wiederkehr)? Der folgende Text ist vor dem Salierafinale entstanden, findet in diesen Vorgängen aber seine beste Bestätigung. Die elegische und peinliche 50-Jahrfeier der wiedereröffneten Staatsoper gebietet den Kulturbetrieb im gedenk- und mozarttaumelnden Österreich zu reflektieren. Dazu eignet sich eine Perle der Popkultur ausgezeichnet. Es ist ja kein Zufall, dass Cake in einem ihrer allerbesten Songs die „Symphony in C“ nach Österreich verlegen. „So you’ll be an Austrian Nobleman/Commissioning a Symphony in C/Which defies all earthly descriptions/You’ll be commissioning a Symphony in C“ Die unmittelbare Anklage hinter dem scheinbar ironischen Text ist auf eine „Hochkunst“ (Kunst der Hochkultur) gerichtet, die ihre hegemoniale Ideologie aus dem Geistvollen, dem kokett genialistischen Kulturellen schöpft. Und wer ist dafür so prototypisch wie der österreichische Adlige, der, nicht protestantisch verseucht, der absoluten Autorität des Apparats huldigt? „With money you squeezed from the peasants/To your nephew you can give it as a present/This magnificent Symphony in C/You’ll be/Commissioning a Symphony in C.“ Schon in der „Dialektik der Aufklärung“ haben Adorno und Horkheimer die wahren Sätze formuliert: „Das Kulturgut steht zur kommandierten Arbeit in genauer Korrelation, und beide gründen im unentrinnbaren Zwang zur gesellschaftlichen Herrschaft über die Natur.“ Diesem Zusammenhang scheinbar zu entrinnen schafft Kunst nur durch ihre eigene Überhöhung. Oder, in den Worten von Cake: „Completely filling the palace concert hall/It’s warm and golden like an oven that’s wide open/It has a melody both happy and sad/Built on Victoria’s young triads“ Weder „lustig“ noch irgendwie ironisch, ist es bitterböse, treffend, ganz ernst. Die widerwärtige und unangetastete Autorität der „Hochkunst“ hat in Österreich aus der Zeit des Absolutismus über (und durch) seine Verkitschung ungebrochen fortgewirkt. Die völlige Sinnentleerung des österreichischen Hochkunstbetriebs entspricht seiner Stellung als „nationales Anthem“ (Radiohead). Mehr als auf alles andere trifft das auf die Staatsoper zu. Cake schicken ihren Text nur scheinbar in die Vergangenheit – er gilt fürs Hier und Jetzt. „You’ve entered the room with great caution/Though no one in the hall is even watching/They are transfixed, they are forgetting just to breathe/they are so taken by your Symphony in C.“ Je vergeistigter Kunst wird, je mehr sie für sich selbst absolut gehalten wird, je mehr die Pose, die Inszenierung über den Inhalt Überhand gewinnt, desto weniger eignet sie zur Reflexion übers Bestehende, was doch ihre zivilisatorische Wurzel ist. Der unhinterfragbare Autoritarismus der „Hochkunst“ und ihrer Chargen stammt aus ihrer Verbündung mit dem Apparat. Die österreichische Version dieser Dialektik ist die Verschlingung von Katholizismus und Bürokratie, geronnen zu autoritärer Hochkunstgläubigkeit. Die Staatsoper kann nur in Wien stehen, denn hier ist die Konstellation seit 60 Jahren so, dass die Stimmung eines eitlen Bassgockels wichtiger gilt als das soziale, ökonomische, politische Geschehen.„You’re sitting there, thinking your thoughts/They are not about what is, but what is not/You are sitting there, breathing in your breath/You are seldom breathing life, but mostly death.“ Die Reflexion über den Songtext erklärt eine rätselhaftere Passage in Max Horkheimers nachgelassenen Schriften, einem Romanfragment, das der Zeit der Niederschrift der „Dialektik der Aufklärung“ entstammt. Horkheimer schreibt dem Katholizismus einen höheren Grad an Adäquation an die Wahrheit über die Welt zu als etwa dem Puritanismus – klar wird nun, warum. Weil im Katholizismus das Gottgefällige mit dem Apparat, der Herrschaft verbunden ist und die Sehnsucht nach Befreiung Ausdruck findet im opulenten Kunstgenuss, in der Orientierung aufs Jenseits statt aufs Hiersein. Bescheidenheit ist wie alles andre eine Zier, rosa Zuckerguss übers alkoholgetränkte braune Restkuchenbemmerl, in Österreich. Damit soll nicht der selbstgefälligen Idee Vorschub geleistet werden, Österreich wäre die Spitze der Verschlingung von Mythos, Herrschaft und Arbeit. Horkheimer hat seine Arbeit nie abgeschlossen: Der österreichische Weg der „identischen Identität“ ist nur einer von vielen. Aber das, worunter man konkret leidet, lässt sich konkret hassen. Österreichs Hochkunstbetrieb hasst sichs vortrefflich. online seit 16.02.2006 12:25:14 (Printausgabe 30) autorIn und feedback : David Stadler |
|
Worte statt Torte Das vom Linzer Verein maiz für das Kulturprogramm von Linz09 entwickelte Projekt “Linz in Torten” wurde vor wenigen Wochen von den Linz09-Verantwortlichen zum Kippen gebracht. [23.12.2008] Eine Reportage ...vom Tag der Freien Medien in der Fluc-Wanne [11.12.2008,Ingo Lauggas] Das österreichische Haus Alltag und Rechtsdrift [10.12.2008] die nächsten 3 Einträge ... |
||||
![]() |