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Problemski? „Bei uns haben sie sich gerade für die Sklaverei entschuldigt. Als ob das irgendwas ändern würde.“ Samstagnachmittag in Paris ... Ein anstrengender Samstag letzten Sommer in Paris. Zuerst Fußball im Bois de Boulogne: ein paar Kids mit russischen Akzenten verstärken die Kernmannschaft. Dann kommen ihre Freunde vorbei: eine riesige Horde betrunkener Kahlgeschorener. Schon diese komische Einstiegsfrage „tu as problemskji?“. Bis jetzt eigentlich nicht, danke der Nachfrage. Aber dann brechen die problemskiis schon über uns herein, und zwar in Form von klatschenden Ohrfeigen und Bruce Lee-Tritten mit der Grazie sibirischer Taiga-Holzhacker. Bevor es richtig blutig wird, legt einer aus purer Verzweiflung die CD mit den Hymnen der ArbeiterInnenbewegung in den Banlieue-Blaster. Bescheuerte Idee, aber als die ersten Fanfarenstöße der sowjetischen Hymne erklingen, stehen die Schränke stramm wie ein Möbellager und grölen für Mütterchen Russland. Als wir uns gerade fragen, ob uns all dies jemand glauben wird, drücken die Watschenbäume brüderlich ihre jugendlichen Brüste an die unsrigen und uns Dosenbiere in die Hände. Putin hat die Hymne 2001 wieder installiert. Wir trollen uns lieber. Zwei vernünftige Russenkids raunen uns zu, das ginge jedes Wochenende rundenweise so dahin, zu unserm Glück seien wir nach der ersten ausgestiegen. Marxistisch geschult stellen wir ihnen sofort die soziale Frage, war dies etwa ein Klassenfaustkampf? Aber nein, wir hatten es vielmehr mit dem elitären Nachwuchs des russischen diplomatischen Korps zu tun. Da muss die französische Integration versagt haben. IMMER DASSELBE Später spielt der Blaster zur Entspannung französischen R&B an der Seine am Quai St. Louis, dort wo gleich darüber die Obercrème der Stadt wohnt. Zwei schlacksige Jungs kommen vorbeigeschlendert. Ali & Karim gefällt die Musik, sie bleiben. Erstmal gibt’s Verständnisschwierigkeiten, du bist also nicht von hier, na gut, dann mal halblang mit verlan, der verkehrten Banlieue-Sprache. Wir einigen uns, alle unsere Worte von vorn nach hinten zu sprechen, „damit du alles schnallst, was wir dir zu sagen haben.“ Wien kennen sie nicht, überhaupt von der Welt nur ihre Ecke „im Norden oben“. Wie’s dort ist? Scheißlangweilig, immer dasselbe, keine Arbeit, deswegen kommen sie hierher an die Seine. Ein bisschen Dope verticken an die Baba-Cools und Mädchen gucken. „HATTET IHR KOLONIEN?“ Dann beginnt die Show. Ein nicht abreißender Strom von Sightseeing- Schiffen zieht an uns vorbei, touristisches Foto-Sperrfeuer im 5 Minuten-Takt. Sehr gutes Publikum also. Erstmal freundlich zurückwinken, der Moonwalk, Fernflirten, schließlich zum Koitus einladen und dann wüste Beschimpfungen mit Mittelfingern. „Für die sind wir doch die Wilden von draußen. Die sollen mal zu uns raus kommen, dann kriegen sie was zu sehen.“ Dann bemerkt Ali meine Stirn: „Die haben Angst vor uns wegen dem ganzen Scheiß, den sie ständig hören. Diese ganze Integrationsscheiße ständig. Ich bin seit 10 Jahren verfluchter Franzose. Und Muslim. Wir kommen alle in dasselbe Paradies. Gib mir nen Job, oder noch besser: gib mir ein Tonstudio und ich leiste meinen Beitrag. Die sind doch gar nicht bereit für unseren Scheiß!“ Es folgt ein Freestyle-Rap und komplizierte Handshakes. Die französisch-schweizerische Hip-Hop Republik wird ausgerufen. „Achso, Österreich, entschuldige, halt irgend so ein Land ohne Schwarze. Hattet ihr Kolonien? Bei uns haben sie sich gerade für die Sklaverei entschuldigt. Als ob das irgendwas ändern würde.“ SPIEL MIT DER ANGST Nach ein paar Schlucken Wodka – irgendwas aus dem Tetrapack – folgt noch ein zweiter Akt der Passanten-Show. Promenierende Pärchen werden freundlich gegrüßt, spontane Liebesgeständnisse, Clownereien, die Handykamera kommt zum Einsatz, v.a. ein ständiges Spiel mit der Angst der Leute. Schließlich kommen die Flics. Von der freundlichen Sorte. Trotzdem: Taschen umdrehen, Hände an die Wand. Bekommen sofort ein gutes Zeugnis für ihre respektvolle Art, uns zu filzen. Als sie nach einer lautstärketechnischen Belehrung wieder weg sind, zeigen mir die Jungs grinsend die Dope-Stangen in ihren Socken. Sogar die Flics seien „tranquille“ in der Stadt. Draußen reiche ein falscher Blick und die Typen gehen auf einen Trip mit dir. ZU VIELE WESTERN GEGUCKT ... Letzte Woche war Ali am Telefon: Ob alles in Ordnung sei bei ihnen. Nichts sei in Ordnung, sie hätten die französischen Banlieues jetzt in der Hand und so schnell würde das nicht mehr aufhören. „Schreib das, sollen die Leute in der Schweiz nur wissen, bevor es bei ihnen losgeht.“ Karim könne leider nicht mit mir sprechen, „der hat zu viele Western geguckt und ist eingefahren.“ online seit 07.12.2005 11:43:29 autorIn und feedback : Jakob Weingartner |
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Linz in Kisten Kulturprojekte und Vergangenheit [28.11.2008,Katharina Morawek] Kulturstadt Flavour Linz wird Europäische Kulturhauptstadt 2009. Wie es soweit kommen konnte? Bitte weiterlesen. [24.10.2008,Franziska Dobuševa] MALMOE #43 sticht in See Aktuelle Nummer und stürmischer Party-Hinweis! [07.10.2008] die vorigen 3 Einträge ... die nächsten 3 Einträge ... |
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